Als der Comic-Shooter Borderlands vor einigen Jahren auf der Games Convention vorgestellt wurde, buhlten 2K Games und Gearbox noch händeringend um die Aufmerksamkeit der Presse. Nach dem Release entpuppte sich der Titel als Überraschungs-Hit und ebnete den Weg für die Entwicklung von Borderlands 2. Bei der diesjährigen gamescom nutzte Gearbox die Gelegenheit, um das Sequel vorzustellen - nur diesmal kamen die Journalisten von ganz alleine.
Seit dem Ende des ersten Teils sind fünf Jahre vergangen. Der Hauptbösewicht in Borderlands 2 ist Handsome Jack, welcher mit seinem Konzern Hyperion Corp. Pandora unterjochen will, um die dort vorhandenen Schätze und Rohstoffe für sein Unternehmen zu beanspruchen. So viel zum Hintergrund. In der Pressevorführung ging es aber primär um die spielerischen Entwicklungen und Neuerungen, die so zahlreich waren wie die auf der gamescom anwesenden Messe-Babes.
Das Konzept von Borderlands 2 bleibt dem des Vorgängers treu. Mit seinem Charakter kämpft man sich durch die comichaften Grenzgebiete Pandoras, die optisch an XIII oder Wind Waker erinnern.
Für den Trip stehen vier neue Charaktere zur Auswahl; die Protagonisten des ersten Teils treten nur noch als NPCs auf und sind Teil der Story.
Bisher sind zwei der neuen Charaktere bekannt: Salvador the Gunzerker, den Gearbox als die nächste Evolutionsstufe des Berserkers bezeichnet, und Maya als neue Sirene.
Statt zu Handgreiflichkeiten, wie der Berserker des ersten Teils, neigt der Gunzerker in Borderlands 2 zu brachialer Feuerkraft.
Dementsprechend wurde auch seine Spezialfähigkeit gestaltet, bei der er für eine begrenzte Zeit zwei Waffen gleichzeitig tragen kann. Dabei müssen die Schießeisen nicht dem selben Waffen-Typ angehören, sodass man auch mit Raketenwerfer und Snipergewehr zugleich den Gegnern einheizen kann.
Über Mayas Fähigkeiten ist dagegen noch nichts bekannt, grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass alle Klassen modifiziert wurden und über neue Fähigkeiten verfügen. Der Skill-Baum mit seinen Entwicklungsstufen ähnelt im Prinzip dem des Vorgängers – optisch wurde er leicht überarbeitet.
So gibt es immer noch drei Spalten mit jeweils unterschiedlichen Skills. Die vier Helden verfügen über völlig neue Fähigkeiten, deren Ausbau im Sequel aber deutlicher zur Geltung kommen soll als im Vorgänger, denn im ersten Teil nahm man die Modifikation spielerisch kaum wahr.
Die präsentierte Demo startete mit dem Erwachen des neuen Charakters Salvador, der sich in einer verschneiten Tundra wiederfindet, wo man ihn zum Sterben zurückließ. Kurz darauf erkennt man ein Eismonster, dass sich auf Salvador zubewegt. Das Berggorilla-artige Wesen trägt den Namen Bullymong und ist noch einige Meter entfernt, also sucht es in der Umgebung nach Gegenständen, mit denen es den Gunzerker aus der Distanz bewerfen kann. Es entscheidet sich für die Speer-artigen Eisspitzen, welche an einem Berghang hervorstehen, und wirft sie.
Salvador nimmt das Monster unter Beschuss, welches währenddessen versucht noch näher an ihn heranzukommen - dabei weicht das Monster den Schüssen aus und schlägt Haken. Als es nah genug ist, setzt der Bullymong zum Sprung an und will mit einer Stampf-Attacke Salvador in den Boden rammen. Auch dieser Angriffsversuch misslingt und der Schnee-Affe greift direkt mit seinen kräftigen Armen an. Neben den komplexeren Angriffsmustern offenbart sich im Kampf eine weitere Neuerung: Gearbox hat Änderungen im Design bei Schild und Gesundheit vorgenommen.
Wurde man im ersten Teil vom plötzlichen Tod überrascht - färbt sich jetzt der Bildschirm am Rand rot und Fragmente des berstenden Schildes ragen ins Bild hinein. So erhält der Spieler ein optisches Feedback, wie es um die Stabilität des Schildes und seine Gesundheit steht. Eine weitere Änderung im Interface stellt die integrierte Mini-Map dar, die sich rechts oben in der Bildschirmecke befindet und den Komfort bietet nicht ständig ins Menü gehen zu müssen, um das nächste Ziel ausfindig zu machen.
Nach dem Kampf gegen die Eis-Gorilla begibt sich Salvador auf einen Hügel, von dem aus er einen Großteil des Gebietes überblicken kann. An dieser Stelle weisen die Jungs von Gearbox darauf hin, dass alles was man in der Ferne sehen kann auch erreichbar ist. Man blickt über eine saftige Graslandschaft, daneben erstreckt sich ein Berggebiet mit Industrie-Anlagen. Außerdem soll es noch ganz klassisch ein Wüstengebiet geben.
Man erkennt die Ambitionen der Entwickler, welche sich sichtbar in Pandora widerspiegeln. Maschinen bewegen sich und dampfen, Fahnen und Tücher wehen im Wind. Es herrscht Bewegung und Lebendigkeit, die dem Spiel mehr Glaubwürdigkeit verleihen. Neben den umfangreichen Angriffsmustern, zeigt sich beim Eindringen in ein Banditen-Dorf die verbesserte KI.
Während im ersten Teil die Banditen wie bestellt und nicht abgeholt an ihren Punkten warteten und den Eindruck vermittelten, dass sie den ganzen Tag nichts anderes tun, gehen sie jetzt Tätigkeiten nach und interagieren mit der Umgebung.
Kommt es zu einem Gefecht, gehen sie in Deckung und laufen nicht mehr frontal auf euch zu. Dass eure Waffe Schaden anrichtet, zeigt jetzt nicht mehr nur der sinkende Energiebalken über den Köpfen der Gegner, sondern wird dadurch deutlich, dass die Gegner umfallen oder verletzt auf dem Boden kriechen. Außerdem können die Feinde ihre eigenen Schwächen reflektieren und agieren dementsprechend. Beispielsweise kam ein Mini-Psycho, den man mit wenigen Schüssen hätte erledigen können, nicht direkt über offenes Gebiet auf Salvador zugestürmt, sondern bahnte sich seinen Weg durch Gebäude hindurch, um in deren Schutz so nah wie möglich an den Gunzerker heranzukommen.
Auch den Humor und die abgedrehten Ideen hat sich Gearbox bewahrt. Als es während der Demo in eine Art Fabrikgelände geht, entdeckt Salvador dort den Vorgänger-Charakter Roland, der in einem Transporter des Bösewichts Handsome Jack gefangen gehalten wird. Als Salvador den Transporter angreift, um Roland zu befreien, setzt sich dieser sofort in Bewegung und sendet zugleich ein Leuchtsignal gen Himmel.
Salvadors Blick folgt dem Geschoss und er erkennt am Firmament einen Mond, auf dessen Oberfläche der Bösewicht Handsome Jack eine Basis errichtet hat. Plötzlich sind kleine Explosionen auf der Mondbasis erkennbar und wenige Sekunden darauf dringen glühende Objekte in die Atmosphäre ein, um direkt vor Salvador in den Boden einzuschlagen. Aus dem Qualm treten Roboter, die einen neuen Gegner-Typ in Borderlands 2 darstellen. Nach dem Roboter-Gefecht trifft man bereits auf einen ersten Zwischen-Boss mit dem Namen Nomad, der einen Mini-Psycho an seinen Schild geschnallt hat. Schießt man den Psycho frei, greift dieser den Boss an und man kann sich einen leichten Vorteil verschaffen. Durch die Feindschaft der einzelnen Gegner-Typen untereinander wird die Eigendynamik des Spiels noch einmal verstärkt.
Um den Gegnern in den Borderlands beizukommen, stehen euch massig Waffen zur Verfügung. Auf ihnen lag ein besonderer Fokus bei der Entwicklung, denn keine Waffe aus dem ersten Teil wird im Sequel vorkommen. Lediglich die Produktionsnamen wie Dahl, Jakobs oder Vladof bleiben erhalten. Die Schießeisen sollen sich in ihren Eigenschaften aber noch stärker voneinander unterscheiden, sodass schon im Gebrauch die unterschiedlichen Marken erkennbar sind. Darüber hinaus wurden die Wummen mit Zusatz-Effekten modifiziert. Beispielsweise die Waffen der Marke Tediore: Die werden nicht nachgeladen, sondern einfach weggeworfen und materialisieren sich sekundenschnell in euren Händen.
Eine weitere Besonderheit offenbart sich kurz darauf, als die weggeworfene Waffe in der Ferne explodiert. Trefft ihr damit einen Gegner erleidet er umso höheren Schaden, desto mehr Munition beim Wegwerfen enthalten war. Neben den bekannten Marken gibt es jetzt auch Banditen-Waffen, deren optische Ästhetik bei Steve Jobs Pickel verursachen würde – trotzdem sind die provisorisch zusammengebastelten Wummen im Spiel nicht weniger effektiv als andere Markenprodukte. Neben dem verbesserten Waffen-Arsenal gibt es jetzt auch neue Fahrzeuge. Konnte man im ersten Teil nur zu zweit die Standard-Fahrzeuge besteigen, gibt es in Borderlands 2 mehr Vehikel zur Auswahl, vom Dünenbuggy bis zum Panzer, welche man jetzt auch mit vier Leuten gleichzeitig besetzen darf.
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Mit Borderlands 2 versprechen Gearbox und 2K Games eine größere und abwechslungsreichere Welt, die ein geradlinigeres Questsystem besitzt und mit weniger Backtracking auskommt. Optisch bildet das Sequel eine konsequente Steigerung zum Vorgänger; die Farben wirken satter und der Look polierter. In den Grenzgebieten Pandoras herrschte schon in der Demo weitaus mehr Leben und zahlreiche Details verleihen der Welt mehr Tiefe.
Auch bei der Story hat man sich ins Zeug gelegt und möchte eine mitreißendere Geschichte erzählen - allerdings muss ich zugeben, das dieser Aspekt für mich nie ein wichtiges Kriterium im Vorgänger war; und in der Fortsetzung wird das vermutlich auch nicht anders sein. Die vier neuen Charaktere mit ihren noch unbekannten Fähigkeiten machen das Sequel auch für Borderlands-Kenner interessant. Ähnlich verhält es sich mit den Waffen, bei denen der Entwickler keine einzige aus dem Vorgänger übernimmt und ein komplett neues Repertoire bietet.
Die verbesserte KI agiert intelligenter und verfügt über vielschichtigere Angriffsmuster, so verwehrt Gearbox gekonnt der kritisierten Steifheit des Vorgänger den Zutritt in die Fortsetzung und gestaltet ein überzeugenderes Spielerlebnis. Borderlands 2 wird mit Sicherheit die Erwartungen erfüllen, sodass wir uns auf einen großartigen Koop-orientierten Titel im Jahr 2012 freuen können.
Quelle Areagames