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Split/Second: Velocity
#1
Split/Second: Velocity

Entwickler: Black Rock Studio
Publisher: Disney Interactive
Rating: PEGI 7, USK 12+
Release: Mai 2010
Spieler: 1-2

Einleitung
Als ich mir vor einer Woche eine Xbox360 kaufte, war mir klar, dass ich mir dazu gleich ein Rennspiel kaufen werde. Jedem würde da sofort die Need-for-Speed-Reihe empfehlen, und das aktuelle "Hot Pursuit" befand sich bereits im Amazon-Warenkorb. Dann stellte ich jedoch fest, dass es nicht via Splitscreen spielbar ist. Da keiner meiner Bekannten eine Xbox hat, wollte ich dass man wenigstens zusammen zocken kann, wenn ich Besuch habe. Ich brauchte also ein Splitscreen-fähiges Arcade-Rennspiel, eine Simulation drückt meinen Vorlieben nach nur den Spielspaß. Bei dem Spiel sollte man einfach nur losfahren und Spaß haben und nicht Zeit mit unsinnigem Tuning vergeuden.

Nach einiger Recherche fand ich dann gleich zwei Spiele, die erst wenige Monate alt waren: Blur und Split/Second. Ich gebe zu, dass anfangs "Blur" mein Favorit war, jedoch kam meine Frau irgendwann vom Einkaufen wieder und brachte mir Split/Second mit.

Durch Testberichte wusste ich bereits, dass mich im Gegensatz zu "Blur" keine lizensierten Karren erwarten. Davor hatte ich zugegebenermaßen am meisten Angst, da ich immer dachte, mit Fantasieschüsseln kann ich mich mit dem Spiel nicht identifizieren.

Worum geht's?
Das Spiel ist ein klassischer Arcade-Racer - man muss sich nicht um milimetergenaue Fahrwerkseinstellungen kümmern und hat auch nicht die Qual der Wahl zwischen 256 verschiedenen Lackarten. Während des Rennens lassen sich die übrigen sieben Gegner bremsen oder auch ganz ausschalten, indem man mit sogenannten "Powerplays" die Umgebung verändert bzw. zerstört. Um Powerplays auszuspielen, muss man möglichst viel driften. Was zunächst ganz trocken und langweilig klingt, ist im Spiel selber total interessant. Jedes der (nichtlizensierten) Autos hat ein komplett, wirklich komplett anderes Fahrverhalten, und mit einigen Autos gelingen Drifts ganz gut, bei anderen Karren muss man schon wirklich extrem in die Kurve gehen, um das Auto zum rutschen zu bringen. Je öfter und länger man driftet (Während des Rennens MUSS man dies mitunter tun, um nicht vor die nächste Wand zu fahren), desto voller wird die Powerplay-Anzeige. Bereits nach den ersten Drifts kann man mit einfachen Powerplays die Umgebung verändern.

Es explodiert überall!
Dies geschieht meist sehr spektakulär und schön inszeniert, ich habe glaube bisher noch keine Umgebungsveränderung gesehen die ohne Explosion ablief. Wenn die Powerplay-Anzeige komplett aufgeladen ist, kann man bessere und stärkere Aktionen ausführen, um noch mehr Gegner zu treffen. Dabei sind 99% der "Gefahren" aber so konzipiert, dass ein geübter Fahrer den "Attentaten" ausweichen kann - wenn er das Unheil rechtzeitig bemerkt, denn manchmal rollen auch die Gefahren von hinten an.

Mit den Powerplays kann man aber nicht nur zerstören, sondern auch Abkürzungen öffnen und die Strecke derart verändern, dass ein bestimmter Abschnitt komplett geändert wird: Fuhr man in der vorherigen Runde noch unter dem Bauch eines Schiffes durch, landet man in der nächsten mittels einer Sprungschanze auf einem Flugzeugträger.

Die ausgespielten Powerplays sind zwar einfach auszulösen, müssen aber vom Fahrer gut bedacht sein: Eine Explosion kann auch immer den eigenen Fahrer beeinträchtigen, anfangs kommte es nicht selten vor, dass man mit den Powerplays eine Aktion ausführt, mit der man dann aber nur sich selbst zerstört bzw. behindert. Wird man tatsächlich von einem Powerplay getroffen, bedeutet das natürlich nicht das Ende des Spiels, sondern man wird wieder auf die Strecke zurückversetzt, was je nach Anschlag bis zu mehreren Sekunden dauern kann und man somit wertvolle Zeit verliert.

Spielmotivation
A propos wertvolle Zeit: Die Computergegner besitzen die sogenannte "Gummiband-KI": Das bedeutet, dass ihr selbst nach mehreren Unfällen hintereinander die Chance habt, das Fahrerfeld wieder einzuholen. Im Gegenzug bedeutet das aber auch, dass ihr die Strecke noch so perfekt meistern könnt, aber mehr als ein paar Sekunden Vorsprung könnt ihr nur selten herausfahren. Kurz gesagt: Fahrt ihr schlecht, fahren die Gegner auch schlecht, fahrt ihr gut, sind die Gegner euch stets auf den Fersen. Dies sorgt einerseits für Spannung, aber ist dann besonders frustrierend wenn man einen Großteil der Strecke fehlerfrei gefahren ist und man durch einen kleinen Fehler auf dem vierten oder fünften Platz landet. Für einen Arcaderacer ist die Gummiband-KI aber in ordnung, besonders meine Frau hätte ansonsten gerne mal Lust am Spiel verloren, wenn sie sehr weit hinten im Feld liegt. Das Spiel lebt zudem von engen Kopf-an-Kopf-Rennen, auch sehr viele Powerplays lassen sich nur für Gegner in Sichtweite ausführen.

Während des Rennens fühlt man sich wie in einem Actionfilm - es ist genial, mit einem vibrierenden Gamepad in der Hand durch eine Explosion zu heizen, um durch die Rauchschwaden zu beobachten, wie einige hundert Meter weiter bereits ein riesiger Turm im Begriff ist, einzustürzen. Man freut sich richtig eine solche Aktion unbeschadet überstanden zu haben. Passt man nicht auf, ist man Teil der Explosion und wird auf die Strecke zurückgesetzt. Die Grafik des Spiels trägt zu der Stimmung bei, besonders in den letzten Streckenabschnitten schlägt mein Puls in die Höhe, wenn ich als Feldführender nur noch einige Meter fahren muss und dabei auf auftretende Gefahren zu achten.

Strecken
Das Actionspektakel bietet gefühlte 12 Rennstrecke an, wobei ich hier sagen muss, dass sich in vielen Strecken einige Abschnitte immer wiederholen. Auch ist die Umgebung nicht sehr abwechslungsreich: Man fährt entweder durch breite Straßen einer Innenstadt am Flughafen, an einer Berggegend oder einer Kraftweg-Szenerie entlang. Trotzdem bieten alle Strecken von der Kurvenführung her genügend Abwechslung, auch ein Nachtrennen ist an einer Strecke möglich.

Steuerung und Sicht
Die Steuerung ist knackig, die Fahrzeuge reagieren recht realistisch und das Driften mit der oberen rechten Taste will geübt sein. Ansonsten kommt das Spiel mit recht wenig Tasten aus, was den Einstieg besonders leicht macht.
Für Fans der 1st-Person-Sicht gibt es eine Sicht genauso wie die klassische Kamera von hinten. Hierbei habe ich jedoch zu bemängeln, dass diese Kamera recht nah und tief am Fahrzeug ist. Diese Einstellung wird intensiviert, je schneller man fährt. Hierbei verliert man schnell den Überblick über die Strecke. Um ein Rennen erfolgreich zu absolvieren, ist es unbedingt erforderlich dass man den allgemeinen Streckenverlauf kennt, da man sonst die ein oder andere Kurve verpasst.

Single- und Multiplayer
Der Karrieremodus ist dabei meines Erachtens mit viel Liebe erstellt worden. Er wird nie langweilig, auch das Qualifikationssystem ist recht interessant. Das Spiel ist als TV-Sendung aufgemacht, das heisst man ist während des Rennens Teil einer Fernsehshow. Diese Idee hätte man besser umsetzen können, da ich während des Rennens überhaupt nicht an eine TV-Show denke. Ausserdem finde ich es ziemlich unrealistisch, dass eine Fernsehshow ganze Brücken einstürzen lässt oder Flugzeuge auf eine Rollbahn krachen lässt. Zugegeben, ein besseres Thema wär mir aber auch nicht eingefallen.
Unterteilt ist der Karriere-Modus in diversen Staffeln, die sich wiederrum in je vier bis fünf Einzelfolgen aufteilen. Jede Folge bedeutet ein Rennen. Je besser man die Einzelrennen beendet, desto mehr Punkte gibt es. Hat man eine bestimmte Punktzahl erreicht, kann man das Qualifikationsrennen fahren, dass einen in die nächste Staffel lässt.

Jedoch ist nicht jede Folge ein klassisches Rennen: Der Fahrer hat hier auch andere Aufgaben zu erfüllen, beispielsweise muss er so viele Tanklaster wie möglich überholen, dieser aber lässt explodierende Fässer fallen und muss diesen ausweichen. In anderen Missionen muss man Drifts sammeln, um Helikopter abzuschiessen, die wiederrum Raketen auf euch abfeuern. Klingt actionreich? Ist es auch. Eine "Sportart" in Split/Second ist auch, eine explodierende Strecke so schnell wie möglich abzufahren. Dies ist nicht wirklich einfach, da man erst alle Gefahren kennen muss, die auf einen hereinstürzen könnten. Den ersten Platz erreicht man dabei immer nur, wenn man perfekt und ohne Fehler gefahren ist und dabei einige Abkürzungen freischalten konnte.
Das schöne am Karrieremodus ist, dass man auch bereits beendete Staffeln (auch mit anderen Autos) erneut spielen kann, um sein globales Punktekonto aufzubessern.

Auch im Splitscreen macht das Rennen Spaß - hierbei kann man wählen, ob der Bildschirm horizontal oder vertikal geteilt werden soll. Mehr als zwei Spieler können aber nicht am Splitscreen teilnehmen, mein Konkurrent "Blur" lässt vier Spieler ans Gerät. Auch im Zweispielermodus kann zwischen verschiedenen Rennarten wählen, jeder Benutzer wählt sich dann ein bereits freigeschaltetets Auto aus und gibt Gas.

Anfangs habe ich meine Angst bekundet, die Fantasiekarren könnten unter dem Spielspaß leiden. Nach einigen Rennen gewöhnt man sich dran, zugegeben fände ich es auch komisch mit einem 3er BMW unter einem landenen Flugzeug zu fahren. Wenn schon Fantasierennen, dann schon richtig. Das schöne an den Autos ist, dass wirklich alle grundverschieden sind und unterschiedliche Eigenschaften haben. Einige sind stabiler gebaut, weshalb sie sich für Hubschrauber-Einsätze eignen, andere Karren sind schnell und schnittig, jedoch verliert man schnell die Kontrolle über sie. Die Vielzahl an Fahrzeugen lässt mich vergessen, dass ich mit Autos fahre die es gar nicht gibt.

So Klasse das Spiel auch ist, einige Dinge fielen mir negativ auf:
  • Wenn sich zwei Autos rammen, hat dies nahezu keine Auswirkung auf die Spurlage und das Fahrverhalten. Es ist nahezu unmöglich, mit einem gezielten Ramm-Manöver den Gegner von der Strecke zu schubsen. Dies hätte aber die Kopf-an-Kopf-Rennen noch besser gemacht.
  • Der Spielmodus, indem man mit Drift-Punkten Rakten auf Helikopter abschiessen kann, ist unheimlich schwer. Ich würde mich als erfahrenen Fahrer bei Arcade-Racern bezeichnen, aber ich habe nie den ersten und nur selten den zweiten Platz bei solchen Events erreicht. Dieses Defizit muss ich dann ausgleichen, indem ich die anderen Rennen der Staffel besonders gut fahre - von daher ist das nicht sehr schlimm.
  • Mir fehlt bei Spielen wie diesem einfach eine Turbo-Boost-Möglichkeit. Schön wäre es, wenn man diese genau einmal pro Runde zur Verfügung hat, das könnte die Schlussphasen des Rennens noch spannender machen.
  • Im Online-Mehrspielermodus habe ich mich oft auf dem Server eingeklinkt - habe aber keinen einzigen Spieler gefunden.
Fazit
Jeder, der Arcade-Racer liebt, muss diesem Spiel eine Chance geben. Es ist auch im Single-Player unglaublich motivierend, ich habe bereits Nächte vor dem Bildschirm verbracht weil ich unbedingt erster werden wollte. Man ist zu keinem Zeitpunkt frustriert oder fühlt sich nachteilig behandelt. Auch die interessanten Fahrzeuge sind mir positiv aufgefallen. Es ist wirklich (das hätte ich nie von mir gedacht) völlig egal, ob es sich um echte Schüsseln handelt oder nicht. Wenn ihr die oben genannten Negativ-Punkte in Kauf nehmen könnt, dann wird euch dieses Spiel auf jeden Fall gefallen!
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