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"Pennergame": Scharfe Kritik an Obdachlosen-Spiel in Frankreich - Druckversion

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"Pennergame": Scharfe Kritik an Obdachlosen-Spiel in Frankreich - [.A.C.I.D.] - 03.09.2009

Das deutsche "Pennergame" gibt es nun auch in einer französischen Fassung - und sogleich melden sich in Frankreich Kritiker zu Wort. Obdachlosenverbände und Hilfsorganisationen reagierten mit heftiger Ablehnung auf das satirisch gemeinte Browserspiel zum Thema Obdachlosigkeit.

Paris - In Frankreich sorgt das aus Deutschland stammende Online-Spiel "Pennergame" für scharfe Kritik, bei dem Spieler in die Rolle eines Obdachlosen schlüpfen. Das Spiel sei "eine Schande und herabwürdigend", sagte der Sprecher des französischen Roten Kreuzes, Jean-François Riffaud, der Zeitung "Le Parisien". Obdachlose würden dadurch "zum Gespött gemacht". Die Obdachlosenvereinigung CDSL bezeichnete das Spiel als "vulgär, unmoralisch, diskriminierend und gewalttätig". Der Vorsitzende der Obdachlosenorganisation "Salauds de pauvres", Jacques Deroo, sagte, das "Pennergame" werde "die Öffentlichkeit in ihren Klischees über die Welt der Straße bestätigen".

Das kostenlose Browserspiel war 2008 in Deutschland durch das Hamburger Unternehmen Farbflut Entertainment ins Netz gestellt worden. Die französische Version heißt "Clodogame" und spielt in Paris. Die Spieler schlüpfen dabei in die Rolle eines "Clochard" mit dem Ziel, reich und Schlossherr in Versailles zu werden. Mittel dazu sind auch Taschendiebstähle, Trickbetrügereien, die Gründung einer Bande oder die Veranstaltung von Hundekämpfen - wobei die Spieler immer ihren Alkoholpegel im Auge behalten müssen.

Bis Montag wurden auf der französischen Website 5100 Spieler gezählt. In Deutschland haben sich bisher 1,7 Millionen Menschen auf der "Pennergame"-Website registrieren lassen. Laut Farbflut kommt ein Teil der Einnahmen aus Online-Werbung Obdachlosenorganisationen in Hamburg zugute. Neben der deutschen und der französischen Version gibt es inzwischen auch eine britische, polnische und spanische.

Auch die deutsche Originalfassung geriet immer wieder in die Kritik. Die Hamburger SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ksenija Bekeris etwa forderte im November 2008 die sofortige Einstellung des Spiels. Es verletze die Würde obdachloser Menschen, erklärte sie. Firmen-Sprecher Steffen Peuckert betonte damals, ein Online-Spiel sei seiner Meinung nach prinzipiell ungeeignet, gesellschaftliche Probleme realistisch darzustellen. Pennergame.de überspitze bewusst. Das Thema Armut beschäftige die Entwickler gleichwohl, und dies sei auch ein Grund für die Erfindung des Spiels gewesen.

Quelle: spiegel.de


- bonelezz - 03.09.2009

Das fehlt noch.
Nur weil das Spiel Penner verarscht solls verboten werden?
Sinnlos,Freiheit ade.


- habi166 - 04.09.2009

Tach, lächerlich. Besonders was Ksenija Bekeris da vordert. In Deutschland muss keiner auf der Straße leben. Wenn die Einnahmen dann teilweise noch gespendet werden ist das doch ne tolle Sache.
Am besten werden wir auch alle Vegetarier, weil sonst ja Tiere getötet werden müssen und das wär ja total ungerecht.

Gruß Andreas


- Phaethon - 04.09.2009

habi166,index.php?page=Thread&postID=95781#post95781' schrieb:Tach, lächerlich. Besonders was Ksenija Bekeris da vordert. In Deutschland muss keiner auf der Straße leben. Wenn die Einnahmen dann teilweise noch gespendet werden ist das doch ne tolle Sache.
Am besten werden wir auch alle Vegetarier, weil sonst ja Tiere getötet werden müssen und das wär ja total ungerecht.

Gruß Andreas
Das eine hat ja mit dem anderen nix zu tun.

Auch wenn ich sonst eigentlich ja mit einer hohen "Leck mich am Arsch"-Einstellung gesegnet bin und vieles einfach toleriere, habe ich mich bis jetzt zu diesem Spiel geschlossen gehalten. Allerdings teile ich die Meinung derer, das hier (wenn auch nur thematisch) auf Kosten einer sozialen Unterschicht (traurig, das es in DE überhaupt eine solche Schicht geben muss) ein "Spiel" durchgeführt wird.

Und die Rechtfertigung, das Werbeeinnahmen (über deren Höhe man sich ja geflissendlich ausschweigt) an Obdachlosenverbände gespendet werden, ist ja wohl der Hohn an sich. Ich kann ja auch keinen KZ-Manager online stellen mit der Ausrede, an jüdische Verbände zu spenden. Hört sich vielleicht hart an, aber die Thematik ist die gleiche. Mit den Problemen und Sorgen einer bestimmten Schicht oder Gesellschaft wird hier Kasse gemacht. So traurig das sein mag.

Sicher, jetzt könnt man wieder sagen, naja, und was ist mit den Rotlicht-Tyoon-Spielen? Mit "Nutten" Geld machen? Nun, ich persönlich finde, das es zwischen den dort dargstellten Prostituierten (nicht den Ostblock-Blaues-vom-Himmel-Lüg-Anlock-Mädchen!) und "Pennern" immer noch einen Unterschied gibt.

Wie gesagt, Diebspiele an sich sind ja schon diskussionswürdig, weil teilweise einfach nervig und unnötig, aber "Penner"-Spiele empfinde selbst ich (und das will schon was heissen) als entwürdigend.

Und wie ich schon schrieb, den Vorwand der Spende zur Durchführung eines Spiels auf Kosten derer die nun wirklich garnix mehr haben seh ich als äusserst verwerflich an.


So, und zum Thema Vegetarierer halt ich mich jetzt lieber geschlossen. Irgendwie kommen solche Argumente immer aus Kindermund, wenn man keine anderen Phrasen mehr findet. Ein Mensch ist und bleibt ein Mensch, egal ob Manager oder Penner. Und ein Tier ist und bleibt ein Tier. Und solange wir Menschen nicht zum Kanibalismus umschwenken, sind und bleiben Tiere unsere Nahrung. Punkt. Aber, ob ich ein Tier schlachte und esse oder mich auf Kosten von Obdachlosen belustige sind zweierlei Paar Schuh.


- Dorena - 04.09.2009

Phaethon,index.php?page=Thread&postID=95784#post95784' schrieb:Allerdings teile ich die Meinung derer, das hier (wenn auch nur thematisch) auf Kosten einer sozialen Unterschicht (traurig, das es in DE überhaupt eine solche Schicht geben muss) ein "Spiel" durchgeführt wird.
Sorry aber diese untere Schicht muß es hier nicht geben, der Staat zahlt für jeden und wenn es nur Hartz IV ist.
Niemand muß hier unter der Brücke oder im Pennerheim (ja sowas gibts hier bei uns) leben.
Die meisten wollen sich doch gar nicht helfen lassen, dass ist das eigentliche Problem.


- habi166 - 04.09.2009

Dorena,index.php?page=Thread&postID=95786#post95786' schrieb:Sorry aber diese untere Schicht muß es hier nicht geben, der Staat zahlt für jeden und wenn es nur Hartz IV ist.
Niemand muß hier unter der Brücke oder im Pennerheim (ja sowas gibts hier bei uns) leben.
Die meisten wollen sich doch gar nicht helfen lassen, dass ist das eigentliche Problem.
Bingo, ich würde sowas falschen Stolz nehmen. Hab mich auch schon mit einigen Obdachlosen darüber unterhalten.
Zitat:So, und zum Thema Vegetarierer halt ich mich jetzt lieber geschlossen.
Irgendwie kommen solche Argumente immer aus Kindermund, wenn man keine
anderen Phrasen mehr findet.
Das war auch ein Beispiel für Ungerechtigkeit, mehr nicht, sind beides Kleinigkeiten. Irgendwie siehst du die Zusammenhänge bei meinen Beiträgen nicht oder nur schwer.

Gruß Andreas


- Phaethon - 04.09.2009

Dorena,index.php?page=Thread&postID=95786#post95786' schrieb:
Phaethon,index.php?page=Thread&postID=95784#post95784' schrieb:Allerdings teile ich die Meinung derer, das hier (wenn auch nur thematisch) auf Kosten einer sozialen Unterschicht (traurig, das es in DE überhaupt eine solche Schicht geben muss) ein "Spiel" durchgeführt wird.
Sorry aber diese untere Schicht muß es hier nicht geben, der Staat zahlt für jeden und wenn es nur Hartz IV ist.
Niemand muß hier unter der Brücke oder im Pennerheim (ja sowas gibts hier bei uns) leben.
Die meisten wollen sich doch gar nicht helfen lassen, dass ist das eigentliche Problem.
Das meinte ich ja mit "...das es in DE überhaupt eine solche Schicht geben muss". Rein theoretisch bräuchte es diese Schicht garnicht zu geben.

Andererseits war ich in meiner Zivizeit mal wegen Möbellieferungen in einem "Männerwohnheim". Wer das da mal gesehen (und gerochen) hat, weiß, wieso es manche lieber vorziehen auf der Strasse zu leben.


- Dorena - 04.09.2009

Hier bei uns ist neben dem "Pennerheim" auch ein "Männerwohnheim". Das sind zwei unterschiedliche Welten.
In das eine geht man am besten nur mit Gasmaske und das andere ist sauber und gepflegt (inkl. Bewohner).
Tja wie heißt es so schön ? Jeder ist seines Glückes eigener Schmied.


- Phaethon - 04.09.2009

Das ist wohl wahr, ändert nun aber nix an der Diskussion zu diesem unsäglichen Spiel.


- habi166 - 04.09.2009

Tach, wenn man auf der Straße lebt ist man ein Penner, wenn man in einem Wohnheim lebt nicht mehr. Da man in Deutschland, dem Sozialstaat, immer Geld bekommt, wenn Bedarf besteht, hat jemand der Penner ist selbst Schuld, da er jeder Zeit seine Situation ändern könnte.

Wie das in anderen Ländern läuft weiss ich nicht, aber in Deutschland gibt es für mich keinen Grund mit dem Finger auf so ein Spiel zu zeigen.

Gruß Andreas